Immer wieder angebaut und erweitert

KRANKENHAUS - Wie das Johanneum in 150 Jahren zu einem zentralen Standort der medizinischen Versorgung wurde

Quelle: 18.08.2023, Nordwest Zeitung, Hergen Schelling

WILDESHAUSEN. Stolze 150 Jahre alt ist das Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen. Diese eineinhalb Jahrhunderte waren geprägt von Veränderungen und Erweiterungen. Was mit zwei Pflegeschwestern begann, hat sich zu einem leistungsfähigen Gesundheitszentrum mit 650 Beschäftigten entwickelt. Ein Überblick:

Die Anfänge
Fünf Wildeshauser Bürger unter Führung des Weißgerbers Johann Bernhard Becker wurden am 20. März 1873 bei ihrem Pfarrer Clemens Driver vorstellig mit der Bitte, „zwei barmherzige Schwestern zur Pflege der Kranken in den Häusern der Stadt Wildeshausen und der Umgebung zu erhalten“. Im Herbst des Jahres begannen dann zwei Franziskanerinnen, die vom Krankenhaus in Twistringen abgeordnet wurden, mit der Pflege von Kranken in deren Privathäusern und im Vikarie-Gebäude, in dem die Schwestern selber untergebracht waren.

Gleichzeitig trieben die engagierten Bürger den Bau eines Krankenhauses voran. Sie gründeten einen Verein und erwarben unter anderem durch eine Lotterie die notwendigen finanziellen Mittel. Der Vereinsvorsitzende Johann Bernhard Becker stellte ein Grundstück an der Visbeker Straße zur Verfügung, zu seinen Ehren erhielt das Krankenhaus, das bereits 1875 bezugsfertig war, den Namen Johanneum.

Die katholische Kirche und das Offizialat Vechta blieben zunächst skeptisch, da in der Diaspora die Anzahl der Katholiken gering war. Es wurden aber von Anfang an auch Protestanten im Johanneum aufgenommen. Ab 1889 gab es mit dem Alexanderstift nur wenige hundert Meter entfernt auch ein evangelisches Krankenhaus in der Stadt.

Als nach fünf Jahren die Verpflichtung des Vereins zum Unterhalt des Johanneums auslief, übernahm 1878 eine Stiftung unter Führung eines Kuratoriums die Trägerschaft. In den folgenden 50 Jahren wurde das Krankenhaus in mehreren Schritten ausgebaut und erweitert. 1908/1909 entstand ein erster Bettenhaus-Flügel, 1928 wurden ein Operationstrakt und eine Kapelle angebaut.

Ausbau ab den 50ern
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl Wildeshausens stark an - damit auch die Patientenzahlen in den Krankenhäusern. Mitte der 50er-Jahre wurde das Johanneum um einen Anbau erweitert sowie technisch und medizinisch aufgerüstet. In den 60er-Jahren musste dann das Anfang des Jahrhunderts erbaute Bettenhaus erneuert werden, gleichzeitig wurde der Altbau saniert und modernisiert. Im neuen Zwischenbau entstand eine Zentralküche, darüber wurde der OP-Trakt neu eingerichtet.

Da Wildeshausen für zwei Krankenhäuser zu klein war, entbrannte in den Siebzigern eine Diskussion über eine Zusammenlegung. Schließlich wurde das Alexanderstift Ende des Jahrzehnts in ein Altenzentrum umgewandelt und das Johanneum blieb erhalten. Zwischen 1980 und 1983 erfolgten weitere Um- und Anbauten, dabei entstanden die Cafeteria im Untergeschoss, eine Intensivabteilung und der Hubschrauberlandeplatz. Der Haupteingang wurde zur Feldstraße verlegt. Das Krankenhaus erlebte verschiedene Umstrukturierungen und war ab 1993 auch für die Notarztversorgung für den südlichen Landkreis Oldenburg zuständig. 1996 wurde die Rettungswache auf dem Gelände an der Deekenstraße fertiggestellt und den Maltesern übergeben.

Modernisierung
Mit dem Bau des Ärztehauses an der Feldstraße, der Einrichtung des Medizinischen Versorgungszentrums und umfangreichen Modernisierungen entwickelt sich das Johanneum zu Beginn des neuen Jahrtausends weiter zum zentralen Standort der medizinischen Grundversorgung in einem Radius von rund 30 Kilometern.

Das Altenpflegezentrum am Westertor entstand im Jahr 2008 - damit war das komplette Dreieck Visbeker Straße, Deekenstraße und Feldstraße mit medizinischen und pflegerischen Einrichtungen bebaut. Im gleichen Jahr endete mit der Verabschiedung der letzten beiden Schwestern das Wirken der Franziskanerinnen im katholischen Krankenhaus.

Und es geht dynamisch weiter: Im Oktober 2020 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Bettenhaus. In drei Baustufen wird das Johanneum für fast 40 Millionen Euro modernisiert und erweitert - inklusive einer deutlich vergrößerten Intensivabteilung und neuer OP-Abteilung. Damit ist das Krankenhaus gerüstet für die nächsten Jahrzehnte.

Minister kommt zur Jubiläumsfeier
Das Jubiläum
zum 150-jährigen Bestehen des Krankenhauses Johanneum wird am Freitag, 25. August, mit einem Festakt groß gefeiert. Dafür wird auf dem Hubschrauber-Landeplatz ein Zelt aufgebaut. Die Festrede hält Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi (SPD). Zum Thema „Wohnortnahe Krankenversorgung im Landkreis Oldenburg“ äußern sich auch der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr, sowie Landrat Christian Pundt und Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski. Als Moderator führt NWZ-Korrespondent Stefan Idel durch das Programm, das um 10.30 Uhr mit einem Empfang beginnt. Bereits um 9 Uhr findet anlässlich des Jubiläums in der katholischen St.-Peter-Kirche ein Gottesdienst mit dem Vechtaer Weihbischof und Offizial Wilfried Thesing statt.

Bild: Das Krankenhaus Johanneum 2016: Vorne links ist das Ärztehaus zu sehen, ganz hinten ein Teil des Pflegezentrums. Dazwischen ist im Laufe der Jahrzehnte aus der einstigen Krankenhaus-Keimzelle an der Visbeker Straße - wo auch seit mehr als 100 Jahren die prächtige Blutbuche steht - ein großer Komplex aus An- und Erweiterungsbauten entstanden. Der Haupteingang befindet sich an der Feldstraße (rechts). Mittlerweile ist ein Flügel des Bettenhauses (hinten rechts) abgerissen worden, dort entsteht derzeit ein Neubau.
Bild: Krankenhaus Johanneum